KI-Investitionen und ROI im Kundenservice 2026: aktuelle Benchmarks
Wer 2026 einen Business Case für KI im Kundenservice vorlegt, bekommt zwei Fragen gestellt: Was geben andere aus? Und was bringt es ihnen? Zwei Studien aus diesem Jahr liefern dafür Vergleichswerte. Beide sind international angelegt. Es sind Orientierungswerte, keine Zielvorgaben.
Wie viel Unternehmen 2026 in KI investieren
| KI-Investitionen in % des Unternehmensumsatzes |
2025 |
2026 |
2027 (Plan) |
| Servicebranchen |
0,6 % |
2,6 % |
2,9 % |
| Fertigung |
0,4 % |
0,7 % |
0,7 % |
Umsatzgewichtete Mittelwerte, Unternehmen aus 32 Ländern (Horváth, 7th Annual CxO Priorities Study 2026, n=290, S. 27).
Zu den Servicebranchen zählt Horváth unter anderem Banken, Versicherungen, Handel, Telekommunikation, Energie und Logistik. Ihre KI-Investitionen steigen damit von 0,6 auf 2,6 Prozent des Umsatzes. Die Fertigung bleibt bei 0,7 Prozent, weil Datenstrukturen und Schnittstellen die Skalierung bremsen. Wichtig für Ihre Rechnung: Die Quote bezieht sich auf das KI-Budget des ganzen Unternehmens, nicht auf den Kundenservice. Ein Dienstleister mit 50 Millionen Euro Umsatz läge bei 2,6 Prozent rechnerisch bei 1,3 Millionen Euro für alle KI-Vorhaben. Welcher Teil davon in den Service gehört, entscheidet der Business Case weiter unten.
Was KI im Kundenservice messbar bringt
Roland Berger und Potloc haben von November 2025 bis März 2026 insgesamt 550 Kundenservice-Führungskräfte in zehn Ländern befragt, darunter Deutschland. Laut der veröffentlichten Zusammenfassung erreichen Unternehmen, die KI im Service einsetzen, im Schnitt:
19 % kürzere Reaktionszeiten
11,5 % höhere Prozesseffizienz
11,7 % niedrigere Betriebskosten
10,7 % höherer Net Promoter Score
Roland Berger/Potloc, Customer service in the AI age 2026, n=550; Pressemitteilung Roland Berger, Juli 2026.
Die 11,7 Prozent sind ein Durchschnitt über viele Unternehmen. Sie sind weder die Kosten eines einzelnen automatisierten Kontakts noch eine Automatisierungsquote. Studienwerte ersetzen deshalb keine Payback-Rechnung: Automatisierungsquote, Kosten pro Kontakt und Amortisationsdauer ergeben sich aus Ihrer eigenen Baseline.
Ein zweiter Wert fällt auf: 2026 geben nur noch 54 Prozent der Befragten an, KI im Kundenservice zu nutzen, nach 95 Prozent im Vorjahr. Die Autoren erklären das mit einer strengeren Definition dessen, was als KI zählt, und nicht mit einem Rückzug.
Woran es hängt
Bei Unternehmen, die KI im Service schon nutzen, sind Altsysteme und Integration die größte Hürde (46 Prozent). Horváth nennt für Servicebranchen und Fertigung dieselben zwei Engpässe zuerst: die Datenbasis und die Kompetenzen der Belegschaft (S. 28).
Einordnung von Christian Florschütz
Ich nutze solche Studienwerte als Plausibilitätsprüfung, nicht als Planungsgröße. Verspricht ein Business Case deutlich mehr als der Studiendurchschnitt, braucht er eine belastbare Baseline: Anfragevolumen, Routineanteil und Kosten pro Kontakt aus Ihren eigenen Daten.